Kultur- und Bildungszentrum in Hamm

1. Städtebau – Idee

1.1 Platzierung der Baukörper:
Priorität hat die Definition der Kanten des Baufeldes, das als Volumen voll belegt wird.
Dabei formt die Masse eine starke Kante zum Willy-Brandt-Platz und zur südlichen Öffnung Richtung Stadtring. Der Willy-Brandt-Platz bleibt somit räumlich gefasst
und die hohe Südspitze bildet zugleich einen Anfangs-/Endpunkt für die Fußgängerzone.
Auf der nordöstlichen Seite des Grundstücks spannt sich zwischen den neuen Gebäudeteilen und der alten Blockrandbebauung eine Freifläche auf. Diese Fläche
ist das minusVolumen, eine stadträumlich aktivierte Freifläche, die durch eine spätere Bebauung aufgefüllt werden kann.
Durch Ausschneiden und Abtrennen des Volumens entstehen vielfältige räumliche Situationen. Städtebaulich relevant ist in diesem Zusammenhang ein Einschnitt, der
den Willy-Brandt-Platz mit der Fußgängerzone verbindet.

1.2 Ansiedlung der Funktionen
Für die Bibliothek und VHS stellt sich die Südliche Spitze als idealer Standort dar:
Hier ist die maximale Außenwirkung möglich: sowohl zum Stadtring (visavis des Museums), als auch zum Bahnhofsvorplatz und zur Fußgängerzone haben BIB und
VHS ihre Präsenz.
Die FH orientiert sich zum Willy-Brandt-Platz und entwickelt im Inneren ein Wechselspiel von offenen und geschlossenen Bereichen, die den Fußgängerweg
begleiten. Die freigespielte Fläche zur Fußgängerzone und zur Luisenstrasse fügt sich in diese Ordnung ein und verfügt über ausreichend Raum für eine zukünftige
Bebauung mit unterschiedlichsten Nutzungen.

1.3 Nutzung der Freifläche
Langfristig gesehen eignet sich die Weiterführung der Riegelstruktur für Verwaltungs- und/oder Wohnungsbau genauso wie für eine erdgeschossige
Großfläche (z.B. Einzelhandel). Die unmittelbare Anbindung an die vorhandenen Geschäfte in der Fußgängerzone und die Flexibilität bezüglich der Größe und
Ausdehnung (bis hin zu einer Überecklösung auf das Grundstück der Luisenstrasse) machen dieses Grundstück extrem attraktiv für die Vermarktung.

1.4 UG Bestandsgebäude
Das Potential des vorhandenen Horten-Untergeschosses wird genutzt: – die FH profitiert in Form eines Lesehofes – die Fläche der zukünftigen Erweiterung der FH
ist vorangelegt durch Nutzungen im UG – mit Erde verfüllter Kellerraum wird mit Bäumen bepflanzt – entlang der Fußgängerzone prägt sich ein Hof in den Boden, der
für Freiraumevents (z.B. Open Air Kino, Sommerfest etc.) nutzbar wird – die vorhandene Warenanlieferung wird weiterhin verwendet – Haustechnische Nutzung
der Grundwassertemperatur (siehe Haustechnikkonzept).

2. BIB und VHS
Die Stadtbibliothek von morgen ist ein Ort, an dem das lebenslange Lernen praktiziert wird. Verschiedenste Angebote bilden einen Pool, aus dem der Benutzer
auswählt und kombiniert. Begrüßenswert sind räumliche und inhaltliche Synergien zwischen VHS und Bibliothek, da sie die Angebotspalette erweitern. Dieser
Erkenntnis folgt die Entscheidung Bibliothek und VHS in einem Volumen zu bündeln. Es entsteht tatsächlich ein „Haus des Wissens“.
Auf der Basis des bestehenden Rasters ordnet sich ein orthogonales System an, dessen Felder entsprechend sinnvoller Zusammenhänge mit Funktionen räumlich
definiert werden.
Dadurch entsteht Flexibilität in der Nutzung, denn durch Umprogrammierung dieser Definitionen können neue Zusammenhänge hergestellt werden.
Einschnitte bringen Licht und Luft in das Innere des Gebäudes. Im Inneren werden Bezüge durch zweigeschossige Räume erzeugt. Integrierte Bestandteile sind
Veranstaltungssaal und Gastronomie. Jede Einrichtung stellt für die andere einen Zugewinn an Nutzungsvielfalt und Fläche dar. Trotzdem sind alle vier Bereiche
getrennt voneinander benutzbar.
Die Innere Organisation der Bibliothek erfolgt auf zwei Etagen die durch den zweigeschossigen Lichthof räumlich verbunden sind. Im Lichthof sind Lesecafe
(angebunden an den Gastronomiebereich), Spätlesesaal und Zeitschriftenlesen sowie eine bibliotheksinterne Freitreppe angesiedelt. Zwischen Freihandbereich und
der Achse Eingang-Lichthof organisiert sich eine Serviceschiene für die Bibliothek, mit Infotresen, Buchrückgabe, Selbstverbuchung, Medienlager, Büro und Poststelle.
Einer späteren Umstellung auf eine vollautomatische Buchrückgabe, die schon bald zum Standard einer modernen Bibliothek gehören wird, ist bei der Planung
Rechnung getragen.
Das Organisationsprinzip der dichten und klar gegliederten Bücherstraßen im Wechsel mit Frei- und Sonderbereichen erklärt sich mit dem Arbeitstitel
„Manhattan“. Qualitäten wie gute Orientierung und räumliche Vielfalt sind Garanten für eine zeitgemäße und freundliche Bibliothek.

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